Dieser Beitrag richtet sich vor allem an Fotografie-Anfänger und ist bereits letztes Jahr auf meinem eigenen Blog erschienen. Es geht darum, dass durch eine kleine Verbesserung – gerade Linien – ein riesen Sprung in der Qualität deiner Aufnahmen erzieht wird und das nicht nur auf Urlaubsfotos, sondern bei jedem Bild, das du in Zukunft machst!

Okay ich denke jeder hat das schon mal erlebt. Fotos, die man macht sehen irgendwie snapshottig aus. Nicht wie die, die man im Internet gesehen hat, als man den Ort gegoogled hat. Gerade jetzt wo es für viele in den Urlaub geht, wo auch wieder fleißig geknipst wird und man nachher die Kumpels oder Verwandschaft beeindrucken möchte. Es ist das gleiche zu sehen – der gleiche Platz, Statue, Gebäude. Die selbe Sehenswürdigkeit. Aber irgendwas ist an dem Foto, was es komisch aussehen lässt. Irgendwie nicht professionell, irgendwie schief.

Gerade Linien

Schief ist auch genau das, was den meisten Fotos zu den ungewollt snapshottigen Look bringt. Natürlich gibts Unterschiede zwischen billigen und teuerem Equipment und die hochwertigsten Bilder werden oft mit Equipment aufgenommen, das mehr als ein mittleres Auto kostet. Trotzdem gibts eine Sache, mit der man seine Fotos sofort und ohne eine riesige Lernkurve um Längen verbessern kann. Man sollte es nicht glauben, aber ein Foto wird direkt um 1000% besser, wenn man einfach nur auf Linien um Bild achtet.

Es gibt einfach bestimmte Dinge, bei denen das Auge bzw. Gehirn daran gewöhnt ist, dass sie gerade sind. Das beste Beispiel – und gleichzeitig das, das auch fast immer in Bildern vorhanden ist: der Horizont. Wer hat nicht mal den Blick aufs Meer vom Hotelfenster aus fotografiert, oder den leeren Strand bei Sonnenuntergang. Der Moment dort war geil. Aber das foto – meh.

Sicher kann man mit einer cheapo-Knipskamera nicht erwarten ein Foto zu bekommen, das aussieht wie auf einer NationalGeographic-Karte (wobei das mit der richtigen Technik und etwas Geschick sicher machbar wäre!), aber indem man darauf achtet, dass der Horizont gerade ist erhält man direkt ein viel stimmigeres Foto.

Aber hey, mein Foto hat keinen Horizont? Was soll ich gerade machen?

Der Horizont war nur ein Beispiel. Generell geht es darum, Dinge die gerade sein SOLLTEN auch gerade auf dem Foto DARZUSTELLEN. Das können alle möglichen Dinge sein. Und zwar nicht nur horizontal! Kanten an Gebäuden, Geländer, Rahmen, Baumstämme, Straßen oder die Oberfläche von Wasser – Sachen die in Wirklichkeit gerade sind.

Hier zum bei einer Flasche ist relativ klar, dass die beiden Kanten parallel sein sollten… weil das eben die Form einer herkömmlichen Flasche ist. Genauso macht es Sinn, dass die Kante des Verschlusses senkrecht dazu verläuft. Bei einer Architektur-Aufnahme können solche logischen Linien vielleicht Wände/Ecken von Gebäuden oder Räumen sein.

Für Portraits im übrigen bilden die Augen eine gute Linie. Bei einem stehenden oder sitzendem Portrait ist es meistens angebracht, dass die beiden Augen bzw. Pupillen auf (etwa) der gleichen Höhe stehen. Natürlich gibt es Posen, bei denen das nicht funktioniert … dann siehts komisch aus. Zum Beispiel bei einem auf dem Rücken liegenden Model oder wenn aus ungewöhnlichen Winkeln fotografiert wird. Ausnahmen bestätigen halt die Regel.

Dann zum praktischen Teil, damit keiner sagen kann ich werf Dinge in den Raum und erklär dann nicht, wie das ganze überhaupt funktioniert 😉 Bilder gerade ausrichten kann wirklich jeder, der es will. Es funktioniert in professioneller Software (davon war auszugehen) oder auch in jeder anderen Software, die Bilder öffnen kann. Sogar auf dem Handy – auf den meisten sogar automatisch.

Veranschaulichen will ich das ganze am Beispiel eines atemberaubendem Landschaftsfotos. Um zu beweisen, dass es wirklich schief ist, habe ich zwei Hilfslinien eingefügt (hellblau). Der Horizont hängt deutlich nach rechts unten.

Photoshop

In Photoshop nutzt man dazu einfach das Linealwerkzeug. Das Teil ist relativ versteckt, aber dafür umso nützlicher. Es befindet sich unter dem Pipette-Werkzeug, das die meisten warscheinlich genau so selten nutzen. Der Shortcut dafür wäre standartmäßig „I„.

Mit dem Lineal kann man normalerweise auch Größen bzw. Abstände messen. Verblüffend, ich weiß. Aber ich nutze es eigentlich ausschließlich um Dinge auszurichten – und gerade Linien herzustellen!

Das Vorgehen ist denkbar einfach – tatsächlich so einfach, dass es fast peinlich ist, darüber ein Tutorial zu schreiben. Aber hey. Man zieht das Lineal-Werkzeug entlang der Linie im Bild (roter Pfeil), die gerade sein soll. Im Fall dieses grandiosen Landschaftsfotos wäre das wieder der Horizont. Danach sieht man oben in der Toolbar eine Schaltfläche (ja die war da schon immer) die da sagt „Ebene gerade ausrichten“. Klickt man darauf geschiegt genau das. Sofern man darauch achtet, auch die richtige Ebene ausgewählt zu haben, falls das Dokument mehrere hat.

Wie man an den Hilfslinien erkennt ist diesmal der Horizont perfekt gerade ausgerichtet. Die entstandenen leeren Ecken kann man mit dem Tool seiner Wahl auffüllen (Stempel, Content Aware Fill, …) oder einfach mit dem Freistellen-Werkzeug abschneiden.

Fertig.

Auf dem Handy

Ich kann das ganze jetzt nur anhand von Screenshots von meinem iPhone zeigen, da ich kein anderes Handy besitze, aber grundlegedn sollte es auf jedem Betriebssystem gleich funktionieren bzw. in jeder Foto-App ebenso.

Das Prinzip ist genau das selbe. Man möchte die gewünsche Linie – in unserem Fall der Horizont gerade ausrichten. Dazu nutzt man das Beschneiden-Werkzeug, das einen mit diesen absolut nützlichen Hilfslinien der Drittel-Regel versorgt. An diesen kann man sich orientieren, sollte man mal vergessen, was „gerade“ bedeutet.

An dem Stellrad kann man das Foto nun um eine gewisse Gradzahl drehen, bis es perfekt gerade ist. So wie man es möchte und alle linien endlich zu geraden Linien geworden sind 🙂

 

Lightroom

Das mittlerweile mit Abstand mächtigste Tool um Bilder gerade zu machen ist Upright. Das Feature gibt es wenn ich mich nicht täusche seit Lightroom 6 und mittlerweile auch in CameraRaw, bedeutet man könnte es auch über Photoshop nutzen.

Unterstützt wird eine automatische Erkennung, eine Erkennung von vertikalen oder horizontalen Linien oder eine Kombination beider. Was seit dem letzten größeren Update neu dazugekommen ist, ist die Funktion „Mit Hilfslinien“, welche im Original Guided Upright heißt. Letzteres ist meiner Meinung nach mit Abstand die nützlichste Neuerung, die Lightroom CC dieses Jahr bekommen hat! Damit steht auch hier eueren geraden Linien nichts mehr im Weg!

Es erwartet von euch die Eingabe zweier Linien, anhand derer dann das Bild völlig automatisch ausgerichtet wird. Und nicht nur ausgerichtet, sondern auch transformiert, so dass die Linien, die ihr gerade haben möchtet auch gerade werden, alles andere aber passend dazu transformiert wird. Sollte Lightroom eine Verzerrung durchführen, die ein anderes Objekt verzerren würde, das ihr nicht möchtet, dann könnt ihr mit einer weiteren Hilfslinie auch diese Kante wieder begradigen und Lightroom berechnet euch eine neue Verzerrung, damit euer Foto so aussieht, wie ihr es wollt.

Das wars für heute von mir. Viel Spaß beim Fotos machen und Linien zum gerade ausrichten suchen!
Cheers,
Frank

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